Was ist Ginkgo? Wie wird er angewendet? Welche Wirkung hat der Ginkgo? Mehr hierzu findest du auf dieser Webseite.

Die moderne Gesellschaft beschäftigt sich mit dem demografischen Wandel und den Auswirkungen auf die Kosten für die Gesundheit.

Eine wesentliche Errungenschaft unserer modernen Gesellschaft ist die Verlängerung der Lebenszeit. Gleichzeitig werden wir mit den Zivilisationskrankheiten der heutigen Zeit konfrontiert: Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und rheumatische Beschwerden seien als Beispiel genannt, aber auch mit der Altersdemenz. Für nicht wenige dieser Erkrankungen hat die klassische Medizin noch keine heilende Therapie parat. Selbst, wenn wir viele der neuen Medikamente nicht mehr missen möchten, wächst immer stärker das Interesse an alternativen Heilmethoden, insbesondere bei leichteren und chronischen Erkrankungen. Untersuchungen in den verschiedenen Ländern Europas haben ergeben, dass nahezu jeder Zweite alternative Medizin bevorzugt. In Deutschland greifen etwa 60% der Menschen neben den schulmedizinischen zusätzlich zu alternativen Heilmethoden.

Inzwischen gibt es Konsens zwischen Vertretern der klassischen (Schul-) und der alternativen (Komplementär-) Medizin, dass sich beide sinnvoll ergänzen. Zu den ältesten medizinischen Therapieformen gehört die Anwendung von Heilpflanzen als Ganzes, ohne Isolierung einzelner Komponenten. Sie werden frisch, als Aufguss, Extrakt oder Tinktur angewendet. Die Lehre vom Gebrauch der Heilpflanzen als Arzneimittel wird Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) genannt. Auf eine über 2000 Jahre reichende Tradition kann die chinesische Medizin zurückblicken. Der Begriff (traditionelle) chinesische Medizin steht für die sich in den Ländern des ostasiatischen Raums wie Vietnam, Japan und Korea entwickelten heilkundliche Verfahren. Neben Akupunktur, speziellen Massagetechniken gehört die Nutzung spezieller Heilpflanzen zum Repertoire.

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Ginkgo: Ein ungewöhnlicher Baum aus Asien

Eine besondere Wertschätzung als Nutz- und Heilpflanze hat der Ginkgo-Baum in den asiatischen Ländern. Dort wurde ihm wegen seiner Langlebigkeit gehuldigt und ein Platz in den Tempeln geschenkt. Sein langes Leben verdankt der Ginkgo vor allem seiner Pflanzeninhaltsstoffe, die ihn widerstandsfähig gegen Schädlinge, aber auch Umweltgifte machen. Vielfach wird berichtet, dass während des Atombombenabwurfs von Hiroshima, als jegliche Natur ausgerottet wurde, danach allein das Grün eines Ginkgo-Baumes wieder ausschlug.

Inzwischen ist der Name dieses Baumes weltweit bekannt und in aller Munde, seitdem die Phytomedizin und somit ebenfalls die Nutzung pflanzlicher Bestandteile des Ginkgos den Weg auch in die Arztpraxen außerhalb von Asien gefunden haben. Der Ginkgo Baum ist nicht nur als Heilpflanze ein eindrucksvolles Gehölz. Nicht ohne Grund hat das Kuratorium „Baum des Jahres“ den Ginkgo-Baum zum Baum des Jahrtausends und zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden ernannt.

 

Was macht ihn zu diesem außergewöhnlichen Vertreter?

Allein der bizarre Wuchs, die besonders aparte Blattform, die imposante Geschichte sowie die Stellung und Wertschätzung in den verschiedenen Kulturen verschaffen ihm eine besondere Wertschätzung unter den Bäumen. Darüber hinaus sichert der Umgang in Wissenschaft, Kunst und Gartenbau ihm einen außergewöhnlichen Ruf und ein breites Interesse. Gleichzeitig schüren diese Tatsachen unsere Neugierde und wecken den Wunsch, mehr über dieses Exemplar zu erfahren.

Der Ginkgo ist der älteste Baum auf der Erde. Gleichzeitig hat es den Anschein, als seien die Veränderungen einer evolutionären Entwicklung nahezu spurlos an ihm vorübergegangen. Hinweise auf diese Art reichen 250 Millionen Jahre zurück. Zu dieser Zeit lebten nicht einmal die Dinosaurier, deren Dasein etwa vor 235 Millionen Jahren begann. Heute ist er der einzige Vertreter einer ehemals umfangreichen Gattung, der uns erhalten geblieben ist. Charles Darwin, Begründer der Evolutionstheorie, schuf den Begriff vom lebenden Fossil. In der Pflanzenwelt gibt es nur noch wenige lebende Fossilien. Zu ihnen gehören der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), der Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) und die Welwitschie (Welwitschia mirabilis). Keiner dieser Vertreter kann auf eine so lange Vergangenheit vorweisen. Der Ginkgo ist das älteste „Lebende Fossil“.

Im alten China schworen die Gelehrten auf die verjüngende Wirkung des Ginkgos, was ihm zu großer Wertschätzung verhalf. In Japan artet auch heute noch die Achtung vor diesem Gehölz in einen wahren Kult aus. Blätter und Nüsse werden zur medizinischen Nutzung eingesetzt, das Holz beim Hausbau und in Tempeln. Im Haushalt findet er sich in Holzbrettern wieder, die über eine lange Lebensdauer verfügen und starke Beanspruchung aushalten sollen. Das Motiv des Gingkoblattes schmückt Familienwappen, Schwerter, Porzellan und Verzierungen verschiedener Kunstgegenstände. In der heutigen Zeit wird auf das Gingkoblatt gern in Logos zurückgegriffen. Firmen, Institute und Universitäten benutzen dieses werbewirksame Motiv gern. In Tokyo ziert das Symbol die Touristeninformation, die U-Bahn und die Dienstkleidung kommunaler Mitarbeiter. Am Rathaus fällt ein riesiges Fenster auf, das ein stilisiertes Gingkoblatt darstellt, während am Eingang eine weiße Fahne mit dem Wahrzeichen weht. Eine Allee, die von prächtigen Ginkgo-Bäumen gesäumt wird, bildet die Zufahrt zu den Universitäten in Tokyo. Junge Ginkgobäume bilden häufig den Abschluss der sich unendlich ausdehnenden Reisfelder in Japan. Getreu ihrer Lebensmaxime, die Krankheit zu verhindern, bevor sie eintritt (Schlüsselsatz des ältesten medizinischen Werkes Japans aus dem 11 Jahrhundert), findet man überall in Stadt und Land Kräuterläden, die Naturheilmittel anbieten, die der Vorbeugung dienen. Ginkgo-Produkte stellen den überwiegenden Anteil an Gesundheitsmitteln dar. Gern werden Ginkgo-Nüsse als Beigaben zu Desserts, für Salate oder in Saucen verwendet. Der Ginkgo hat für die Einwohner Japans eine vergleichbare Bedeutung wie Knoblauch oder Kamille in den Ländern Europas.

 

Namensherkunft von Ginkgo Biloba

In Europa wurde der Baum erstmals bekannt durch den deutschen Arzt Engelbert Kaempfer, der Ende des 17 Jahrhunderts als Forschungsreisender in Japan auf diesen Baum aufmerksam wurde. Zu dieser Zeit trug der Ginkgo viele Namen, die der Phantasie und der unterschiedlichen Betrachtungsweise entsprangen. In Anlehnung an das Aussehen der Nuss wurde er Ginkyo genannt (japanisch: gin, Silber; kyo, Aprikose), wegen der Form seiner Blätter Entenfuß, im Japanischen „Itchio“ und wegen seines häufigen Standortes: Tempelbaum. In den Ländern Asien trifft man mit Blick auf die lange Zeit von der Befruchtung bis zum Heranwachsen eines wiederum fortpflanzungsfähigem Baumes einen Namen, der übersetzt Großvater-Enkel-Baum bedeutet. Die heutige Bezeichnung Ginkgo ist vermutlich die Folge eines Schreibfehlers, der entweder bereits E. Kaempfer unterlief oder während des späteren Drucks passierte.

Der Botaniker Carl von Linné fügte wegen des typischen, zweilappigen Blattes die Bezeichnung biloba als Zusatz in seinem Klassifikationssystem hinzu. Der englische Botaniker J. E. Smith schlug 1797 vor, für den Baum zu Ehren des Botanikers R. A. Salisbury den Gattungsnamen Salisburia anzuhängen. Dieser Name hat sich jedoch nicht gegen den Namen Ginkgo biloba durchgesetzt. Die in den meisten Sprachen verwendeten Bezeichnungen beziehen sich auf die Form der Früchte und der Blätter.

Ins Deutsche übersetzt, betreffen Namen wie Fächerblattbaum, Mädchenhaarbaum (engl.: „Maiden hair tree“) oder Elefantenohrbaum die Blattform. Nuss-Aprikose, Weißnußbaum, Mandelfruchtbaum oder Beseeltes Ei beziehen sich auf das Aussehen der Nuss.

Im Japanischen werden die Früchte Ginnan genannt, wahrscheinlich wegen ihrer silbrig scheinenden Samen. Vierzig-Taler-Baum ist die Übersetzung aus dem Französischen (Arbe aux quarante ecus) und geht zurück auf den ersten Kauf von Ginkgobäumen zu umgerechnet 40 Taler durch einen Franzosen im Jahre 1780.

In Anspielung an die Goldfärbung und den Blätterfall im Herbst kursiert seltener „Tausend-Taler-Baum. Wegen des 1815 geschriebenen und dem Ginkgo gewidmeten Gedichtes von Goethe wird er hin und wieder als Goethe-Baum bezeichnet.

 

Aussehen und botanische Besonderheiten

Ginkgo biloba gehört zur Familie der Ginkgoaceae (Ginkgo Gewächse), deren einziger Vertreter er heute nur noch ist. Lange wurde darüber gestritten, ob er zu den Nacktsamern, wie die Nadelbäume zu zählen ist oder zu den Bedecktsamer wie die Laubbäume. Obwohl Ginkgo den Laubbäumen ähnelnde Blätter besitzt und diese wie ein sommergrüner Baum im Herbst abwirft, müssen die Samen den Nacktsamern zugeordnet werden. Die Samen werden über den Wind bestäubt.

Der Baum kann eine extreme Höhe von bis zu 40 Metern und ein stattliches Alter von bis zu 1000 Jahren, mitunter auch mehr, erreichen. Der Durchmesser des Stammes beträgt ein bis vier Meter, was bei seiner Höhe zu einem eher schlanken Eindruck führt. Während junge Bäume in ihrem Wuchs einer Pyramide ähneln, haben ältere Exemplare eine mächtige Baumkrone mit starker Verästelung. Das liegt daran, dass ab einem Alter von etwa 25 Jahren die Äste stärker in die waagerechte Richtung wachsen.

Das Holz ist frei von Harz, leicht und weich und zeigt Ähnlichkeiten mit dem von Nadelhölzern (Koniferen). Das hellbraune Kernholz geht allmählich in das hellgelbe junge Splintholz über. Splintholz bezeichnet den lebenden, hellen Anteil des Holzes, der sich direkt unter der Baumrinde befindet und durch Kapillarkräfte das Wasser zur Krone transportiert. Wegen seiner charakteristischen Merkmale eignet sich das Holz weniger für die klassische Holzverarbeitung. Stattdessen findet es als Schnitzholz und für die Herstellung von Paneelen Verwendung. Die Borke jüngerer Stämme ist von graubrauner Farbe und von hellbraunen Rissen gezeichnet. Bei ausgewachsenen Bäumen ist die Rinde dunkelgrau, tief gefurcht und schwer entflammbar. Diese interessante Eigenschaft lässt Ginkgobäume Waldbrände nahezu ohne Schaden überstehen. Eine weitere Besonderheit betrifft die Ausbildung verholzter Auswüchse nach Verletzungen oder Stress durch Umwelteinflüsse in einem Lebensalter von etwa 200 Jahren. Diese Auswüchse werden in Anlehnung an das chinesische Wort für Brust oder Zitze als „Chichi“ bezeichnet. Der wissenschaftliche Begriff für diese verholzte Verdickung ist Lignotuber. Wenn sie weit oberhalb des Bodens entstehen, werden sie Areal-Chichi genannt und sehen wie stalaktitenartige Auswüchse aus. Basal Chichi entwickelt sich unter oder geringfügig über dem Boden. Bei starker Ausbildung und Berührung der Erde, entwickeln sich daraus sekundäre Stämme und Wurzeln und damit neue Pflanzen.

Die Wurzeln des jungen Baumes sind bis zu einem Meter tief in die Erde ragende Pfahlwurzeln, aus denen im Laufe der Entwicklung starke Seitenwurzeln werden. Diese sind wiederum mit Feinwurzeln ausgestattet, die viele Wurzelhaare besitzen.

Unverwechselbar und namensgebend sind die Blätter des Ginkgo biloba. Wegen der tiefen Einschnitte in der Mitte entsteht ein zweilappiges Blatt, dessen Form an einen Fächer erinnert. Es ist gabelnervig, mit einer Blattzeichnung, die an den Frauenhaarfarn erinnert. Diese charakteristischen Merkmale verhalfen dem Baum zu den unterschiedlichsten Namen. Die Blattform variiert mit dem Alter des Baumes und in Abhängigkeit vom Trieb (Lang- oder Kurztrieb), an dem das Blatt sitzt sowie der Entwicklung und der Wuchskraft des Baums. Die Form der Blätter weist eine große Variabilität auf, so dass es nahezu unmöglich ist, zwei gleich geformte Blätter zu finden. Junge Blätter sind hellgrün, bevor sie im Sommer dunkler werden. Im Herbst färben sie sich goldgelb und im November fallen sie schließlich ab.

Die Äste bilden Kurz- und Langtriebe aus. Die Kurztriebe wachsen nur wenige Millimeter im Jahr, während die Langtriebe bis zu 100 Zentimetern pro Jahr erreichen können. An den Langtrieben sitzen versetzt die Blätter, aus deren Steilansätze Knospen sprießen. Die kleinen hellbraunen Knospen besitzen einen Durchmesser von etwa fünf Millimetern und werden von kleinen Blättern umgeben.

Der Ginkgo Baum gehört zu den zweihäusigen Pflanzen. Das heißt, es treten an den verschiedenen Bäumen entweder männliche oder weibliche Blüten auf. Männliche und weibliche Bäume unterscheiden sich meist in ihren Umrissen: Männliche sehen eher schlank aus, weibliche besitzen vorrangig ausladende Kronen. Erst im Alter von 25 bis 35 Jahren ist der Ginkgobaum geschlechtsreif und damit in der Lage, Blüten auszubilden. Erst dann lassen sich die Geschlechtsunterschiede erkennen. Die Zeit der Blüte beginnt im März. Da der Ginkgo als Windbestäuber keine Insekten anlocken muss, sehen die Blüten eher unscheinbar aus.

Männlichen Blüten wirken katzenförmig. Sie tragen an einer Blattachse viele Staubblätter mit jeweils zwei Pollensäcken. Die Blüten fallen kurz nach der Bestäubung der weiblichen Blüten bereits im Mai ab. In den weiblichen Ginkgoblüten, die winzigen Eicheln ähneln, befinden sich zwei Samenanlagen, von denen meist nur eine sich zum Samen weiter entwickelt. Der zwischen September und November reif werdende Samen erinnert im Aussehen an eine Aprikose oder Mirabelle. Im Inneren der runden, zwei bis drei Zentimeter großen Samen befindet sich ein essbarer Kern. Die im Samenmantel befindlichen freien Fettsäuren wandeln sich beim Verfaulen der am Boden liegenden Samen in übel riechende Produkte um. Deshalb sind weibliche Ginkgobäume an Alleen und in Parks nicht sehr beliebt.

 

Die einzigartige Geschichte des Jahrtausendbaums

In Fossilienproben fanden sich Beweise dafür, dass Ginkgo Gewächse bereits vor 250 Millionen, im Perm, als letzte Periode des Paläozoikums auf der Erde existierten. Man vermutet, dass der Ginkgo schon da war, als die Erde noch von Dinosauriern bewohnt war. Nach einer Blütezeit vor etwa 220 bis 135 Millionen Jahren, in der es bis zu 250 verwandte Ginkgo-Arten in verschiedenen Gebieten der Erde gab, kam es zu einem Rückgang. Als wahrscheinlichste Gründe hierfür werden Perioden mit Temperaturabfall und die Entwicklung konkurrierender Gewächse (beispielsweise Nadelhölzer) während des Tertiärs genannt. In diese Zeit, vor 65 bis 2 Millionen, fällt der Beginn der Klimaveränderungen, die sich mit der Eiszeit fortsetzte. Nach den Eiszeiten in Europa und Amerika wurde der Bestand deutlich zurück gedrängt. In der nördlichen Hemisphäre blieb nur eine einzige Art nachweisbar: Ginkgo adiantoides. In Mitteleuropa waren Ginkgo Arten bis vor zirka 30 Millionen Jahren heimisch. Die einzige davon, die überlebte, wuchs nunmehr nur noch in Südchina. In den Tempelgärten und Bergklöstern wurden sie seit 1100 vor Christi kultiviert. Dokumente aus dem 13. Jahrhundert beschreiben Mischwälder südlich des Jangtsekiang als Ursprungsort des Ginkgo biloba. Vor 2000 Jahren stießen chinesische Heiler auf die gesundheitsfördernden Wirkungen des Gingkos. Diese und die außergewöhnlichen Überlebenseigenschaften des Baumes räumten ihm eine Sonderstellung im alten China ein und seine Blätter dienten gar als Zahlungsmittel. 1192 vor Christi fanden die Samen den Weg nach Japan und Korea. Auf diese Weise verbreiteten sie sich später im asiatischen Raum. In Japan gibt es eine Reihe von uralten Exemplaren, einige von ihnen sind 1000 Jahre alt. Der deutsche Arzt Engelbert Kaempfer begab sich 1690 auf eine zweijährige Forschungsreise nach Japan. Dort wurde er auf diesen Baum aufmerksam und hinterließ der Nachwelt eine umfassende Beschreibung. In seinen Aufzeichnungen fanden sich Hinweise auf die Nüsse des Baumes, die von den Einheimischen regelmäßig nach den Mahlzeiten zu sich genommen wurden, um die Verdauung anzuregen. Aus Quellen geht hervor, dass er der erste Europäer war, der über den Ginkgo Baum berichtete. Der Name Ginkyo, die Silberaprikose, stammt ebenfalls von Kaempfer, wurde allerdings durch einen Fehler zu Ginkgo und damit zu der noch heute gebräuchlichen Bezeichnung. Mit Kaempfer kam der Ginkgobaum wieder nach Europa: Er brachte heimlich den Samen nach Europa mit. Dies geschah unter Einsatz seines Lebens, da es zu dieser Zeit strikt verboten war, Produkte aus Japan auszuführen. Zuwiderhandlungen wurden mit dem Tode bestraft. Europas ältestes Exemplar steht im Botanischen Garten in Utrecht. Dies ist wahrscheinlich kein Zufall, wenn man bedenkt, dass Kaempfer damals im Auftrag der holländischen Vereinigten Ost-Indien-Gesellschaft unterwegs war. Eindeutige Belege für den Verbleib des mitgebrachten Samens gibt es jedoch nicht. Nach England kam der Baum 1754. In Deutschland wurde 1761 der erste Ginkgo in Saarbrücken gepflanzt. Ihn kann man heute dort nicht mehr finden. Der noch existierende älteste Baum steht im Schlosspark in Harbke unweit von Magdeburg und wurde zwischen 1760 und 1781 gesetzt. Weitere Bäume mit einem Alter von mehr al 200 Jahren befinden sich in Putbus, Frankfurt am Main und in Jena. Am bekanntesten wurde in Deutschland jedoch ein Exemplar, das unter dem Titel Ginkgo Biloba in einem Gedicht von J. W. von Goethe aus dem Jahre 1815 beschrieben wurde. Es wurde später in der Sammlung „Westöstlicher Divan“ veröffentlicht. Goethe hatte diese Zeilen einer sehr nahestehenden Freundin, Marianne von Willemer, gewidmet. Dem Brief war damals ein Ginkgo Blatt als Symbol der Freundschaft beigelegt. Es stammte aus dem Heidelberger Schlossgarten. Der Baum wurde dort 1795 gepflanzt, existiert jedoch heute nicht mehr. Seit 1960 widmen sich deutsche Wissenschaftler der Bedeutung als Heilpflanze und inzwischen hat Ginkgo Einzug in die wissenschaftliche Pflanzenheilkunde gezogen. Da der Baum auf fast jedem Boden wächst, sowohl sonnige wie auch halbschattige Standorte verträgt, wuchsen weitere Bäume in Europa heran. Im Jahre 1784 wurde er in der Nähe von Philadephia, in den USA kultiviert. Inzwischen ist er nicht nur in ganz Asien sondern in vielen Ländern Europas und Nordamerikas anzutreffen.

 

Medizinische Verwendung von Ginkgo biloba

Ginkgo eine Heilpflanze mit Tradition

Seit mehr als vier Tausend Jahren ist der Ginkgo in China ein anerkannter Heilbaum. Eine Schrift, das das Handbuch der Barfußmedizin genannt wurde, beschreibt die heilenden Kräfte 2800 vor Christi. Zum Einsatz kamen sowohl die Rinde als auch die Samen und Blätter des Baumes. Aufgekochte Rinde wurde auf Schwellungen aufgelegt. Sie sollten Besserung bei der Wundbehandlung bringen. Andere Pflanzenextrakte halfen bei nachlassendem Gedächtnis, bei Atemwegsbeschwerden sowie Durchblutungs-und Verdauungsstörungen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden die Früchte und Wurzeln des Ginkgo biloba gegen Husten, Tuberkulose, Blasen – und Harnwegsentzündungen eingesetzt. Außerdem sollen sie die Verdauung anregen. Die Kerne der Samen werden geröstet oder gegart gegessen. Abgekochte Wurzeln ergeben einen Sud, der die Menstruationsbeschwerden und Blähungen vertreiben soll. Später erkannte man, dass die Blätter und Samen wertvoller waren, weil sie im Gegensatz zu den Schalen und Rinden keine unangenehmen Hautreaktionen hervorriefen.

 

Medizinische Anwendung heute

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen sich die Europäer für die Verwendung des Ginkgo in der Medizin zu interessieren. Erste Wirkungen von Extrakten, die aus Blättern gewonnen wurden, bestätigten das Potential als Heilpflanze. Die Inhaltsstoffe aus den Blättern und Samen können bis zum heutigen Tag nicht synthetisch hergestellt werden. Diese Tatsache förderte zusätzlich die Aufmerksamkeit für diese Pflanze. Das erste Ginkgo-Präparat zur Verbesserung des Blutflusses wird noch heute bei nahezu einem Drittel der Durchblutungs-Beschwerden eingesetzt. Ginkgo-Blätter und Samen enthalten eine Reihe interessanter Wirkstoffe, denen heilende Effekte zugesprochen werden. Das Repertoire ist in beiden Pflanzenteilen vergleichbar, jedoch unterscheiden sich die Mengen der einzelnen Substanzen im Blatt und im Samen.

 

Ginkgolide und Bilobalid als wirksame Inhaltsstoffe

Am häufigsten werden die Blätter für die Gewinnung von Extrakten genutzt. Inzwischen haben Wissenschaftler mit den entsprechenden Analysen die Struktur aufgeklärt und sie den verschiedenen Substanzklassen zugeordnet. Es wurden Diterpene, aus den Ginkgoliden A, B und C bestehend, identifiziert. Andere Bestandteile, zu denen das Bilobalid, Flavonoide wie Kaempferol und Quercetin gehören, werden chemisch den Sesquiterpenen zugeordnet. Die Ginkgolsäuren in den Ginkgoblättern sind organische Säuren mit einem Benzolring und für die Unverträglichkeiten unbehandelter Extrakte verantwortlich.

Die bedeutendsten Bestandteile für die Nutzung als Heilpflanze sind: Ginkgolide und Bilobalid. Die Ginkgolide A, B und C sind bereits seit längerer Zeit beschrieben worden. Später wurden die Ginkgolide J und M ergänzt. Kennzeichnend für sie alle ist ein Grundgerüst, das sich vom ungesättigten Kohlenwasserstoff Isopren (2 Methylbuta-1,3-dien) ableitet und mit verschiedenen funktionellen Gruppen und unterschiedlich langen Kohlenstoffgerüsten auftritt. Diese vielfältige Stoffgruppe kommt in der Natur in zahlreichen Pflanzen vor. So bilden Terpene die Hauptkomponente der von den Pflanzen produzierten ätherischen Öle. Die Ginkgolide und das chemisch verwandte Bilobalid aus den Ginkgo Blättern sind einzigartig und wurden bisher in keiner anderen Pflanze entdeckt. Sie wurden erstmalig in den Jahren 1967 bis 1969 isoliert und es dauerte noch weitere Jahre bis zum Ende des 20. Jahrhundert, bis die Struktur aufgeklärt war. Bilobalid sorgt für den bitteren Geschmack in den Blättern. Weitere Inhaltsstoffe, die für die Wirksamkeit der Ginkgo Blätter verantwortlich sind, stellen die Flavonoide dar. Es sind verschiedene, sich im Grundgerüst ähnelnde Substanzen, die nur in Pflanzen vorkommen. Tiere können keine Flavonoide synthetisieren. Sie nehmen diese vielmehr über die Nahrung auf. Die ersten Vertreter wurden in den Pflanzenfarbstoffen identifiziert. Deshalb wurde ihnen in Anlehnung an das lateinische Wort flavus für gelb der Name Flavone gegeben. Später stellte sich heraus, dass es auch andere Inhaltsstoffe dieses Typs in der Pflanze gab, die nicht von gelber Farbe waren. Der Name wurde in Flavonoide geändert. Das Pflanzenreich zählt etwa 8000 unterschiedliche Verbindungen. Ist an das Grundgerüst ein Zuckerbaustein angehängt, wird die Substanz Flavonylglykosid genannt. Diese Art von Verbindungen ist im Ginkgo enthalten. Andere Vertreter dieser Gruppe stellen Ginkgetin, Bilobetin und Kaempferol dar. Während die ersten beiden Vertreter bisher nur im Ginkgo gefunden wurden, ist Kaempferol auch in Früchten (in roten Weintrauben) und anderen Pflanzen nachweisbar. Flavonoide besitzen anti-oxidative Eigenschaften, deshalb werden flavonoidhaltige Pflanzenteile medizinisch genutzt. Dem Kaempferol werden zusätzlich antientzündliche und antimikrobielle Effekte zugeschrieben.

 

Herstellung wirksamer Präparate

Für die medizinische Wirksamkeit ist das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe in den Blättern verantwortlich. Ginkgolide, Bilobalid und Flavonoide stellen ein leistungsvolles Gemisch dar, das einmalig in der Natur ist und vielerlei positive Effekte ausübt. Es wurden viele Versuche unternommen, um an die Wirkstoffe heranzukommen. Die größte Bedeutung besitzen Extrakte, die aus den Blättern gewonnen werden.

Zunächst wurden Verfahren eingesetzt, die neben den gewünschten Komponenten auch die anderen deutlich anreicherten. Der Anteil der einzelnen Bestandteile war schwer zu beziffern. Inzwischen sorgen moderne Nachweis- und Bestimmungsmethoden dafür, dass die Extrakte klassifiziert werden können. Damit entstanden die Notwendigkeit und die Möglichkeiten, die Gewinnung der Extrakte zu optimieren. Heute wird sehr genau darauf geachtet, dass bereits die Ernte der Blätter unter vergleichbaren Bedingungen erfolgt und mit dem Ziel, eine einheitliche Zusammensetzung für verschiedene Präparationen zu garantieren. Nach der Ernte werden die Blätter zerkleinert und in einem schonenden Wirbelverfahren getrocknet, um die Inhaltsstoffe haltbar zu machen. Der Extrakt (lateinisch: ex-trahere, herauszuziehen) stellt einen Auszug dar, der unter Einsatz von verschiedenen Mischungen wässriger und organischer Lösungen gewonnen wird. Das zugrunde liegende Verfahren ist seit mehrere hundert Jahren bekannt. Die ersten überlieferten Beschreibungen stammen von etwa 1530 nach Christi.

Ein Gemisch aus organischen Flüssigkeiten und Wasser nimmt die Bestandteile auf und extrahiert sie. Anschließend wird die Flüssigkeit entfernt und das Extrakt eingeengt. Aus etwa 50 Teilen Ginkgo Blättern werden auf diese Weise ein Teil Trockenexakt erhalten. Die Zubereitungen und Rezepturen können beträchtlich variieren, was zu unterschiedlichen Mischungen und damit Wirkungen führt. Gehaltsbestimmungen müssen die Identität und die geeignete Zusammensetzung in den hergestellten Auszügen sichern. Deshalb sind im Europäischen Arzneibuch Vorgaben bezüglich des Verfahrens und der Mengen der verschiedenen Komponenten festgelegt. Ein Extrakt aus Ginkgo Blättern muss 22 bis 27 Prozent Flavonylglykoside und fünf bis sieben Prozent Terpenoide, mit 2,8 bis 3,4 Prozent Ginkgoliden und 2,6 bis 3,2 Prozent Bilobalid aufweisen. Um die bestmögliche medizinische Wirkung zu garantieren, müssen die spezifischen Ginkgo Bestandteile Ginkgolide und Bilobalid angereichert und die unerwünschte Ginkgolsäure entfernt werden. Ginkgolsäure darf wegen seiner beschriebenen schädlichen Effekte nicht in nachweisbarer Menge enthalten sein. Methylpyridoxin als Bestandteil vorwiegend der Samen ist ein zweiter unerwünschter Bestandteil, da er das wichtige Vitamin B6 in seiner Wirkung blockiert. Im Gehirn kann sich dieser Effekt als epileptischer Anfall bemerkbar machen. Bei nicht sachgerechter Ernte ist diese Verbindung vermehrt in den Blättern zu finden. Das Arzneibuch legt einen Grenzwert von 5 ppm (englisch: parts per million, Teile von einer Million) für beide Stoffe fest. Das heißt, es darf nicht mehr als ein Teil auf fünf Millionen Anteile nachzuweisen sein. Alle Prozeduren, einschließlich der Ernte, Lagerung und Trocknung, sind standardisiert, um ein Präparat gleich bleibender und bestmöglicher Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit zu erzielen. Werden die geforderten Parameter erreicht, können die Extrakte in einem mehrstufigen Herstellungsverfahren unter ständiger Kontrolle zu Tropfen oder Tabletten weiter verarbeitet werden.

 

Die Wirkung des Ginkgo

Ginkgo Präparate zeichnen sich durch eine außergewöhnliche und einzigartige Zusammensetzung aus. Die Effekte dieses Wirkstoff-Cocktails sind sehr komplex. Die einzelnen Substanzen beflügeln sich wahrscheinlich gegenseitig im Zusammenspiel (synergistische Effekte). Das gesamte Wirkungsspektrum ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Tatsache ist, dass sowohl die mehr als 1000-jährigen Erfahrungen wie auch Resultate aus den verschiedenen Studien positive Einflüsse auf verschiedene Stoffwechselwege im Menschen belegen. Problematisch bei der Bewertung ist die Tatsache, dass die Wirkung erst nach einer langfristigen Anwendung über mehrere Wochen eintritt und das Ausmaß sich unterscheiden kann. Vorbeugende Effekte sind darüber hinaus schwer statistisch zu erfassen. Deshalb werden Belege aus Studien weiterhin kontrovers ausfallen, solange, bis die Mechanismen der Wirkung im Detail aufgeklärt werden können.

Experimente konnten belegen, dass die Anwendung von Ginkgo Extrakten, die Fließeigenschaften des Blutes und damit die Durchblutung, insbesondere im Gehirn, verbessert. Es gelangen mehr Nährstoffe und Sauerstoff zu den Organen und gleichzeitig werden Schadstoffe abtransportiert. Das verlangsamt den Alterungsprozess. Außerdem neigen die Blutplättchen weniger zur Verklebung (Aggregation), wodurch die Durchblutung unterstützt wird. Besonders die Flavonoide sorgen dafür, dass der Plättchen aktivierende Faktor im Blut gehemmt wird, der auch bei Entzündungen eine Rolle spielt. Ginkgo Extrakten wird eine anti-entzündliche und durchblutungsfördernde Wirkung zugeschrieben. Andere Studien zeigten, dass die Botenstoffe im Gehirn beeinflusst werden können und schädliche freie Radikale unterdrückt werden. Diese vermitteln als reaktive Sauerstoff-Spezies eine Vielzahl unerwünschter, schädlicher Reaktionen im Körper. Schließlich reagierten Gewebe in Gegenwart von Ginkgo weniger stark gegenüber einem Sauerstoffmangel. Sie tolerierten diesen negativen Einfluss besser. Moderne experimentelle Ansätze erlauben es, sich gleichzeitig die gesamte Ausstattung mit Genen unter verschiedenen Einflüssen anzusehen. Gene bilden quasi die „Vorlage“ für die Herstellung der Eiweiße, die im Stoffwechsel ihre Wirkung ausüben. Es ist bekannt, dass Veränderungen im Gen-Muster Stoffwechseleffekte widerspiegeln. Deshalb ist das Ergebnis einer Untersuchung bedeutungsvoll, das belegen konnte, dass sich eine Reihe von Genen verändert, wenn Ginkgo Extrakte eingenommen werden. Mit den erhaltenen Resultaten lässt sich beispielsweise ein verbesserter Schutz der Zellen erklären.

 

Welche Beschwerden können behandelt werden?

Anerkannte Anwendungen für Ginkgo Präparate sind Gedächtnisstörungen, Schwindelgefühle, Ohrengeräusche und Durchblutungsstörungen. Wegen der überlieferten Erfahrungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und dem weltweit ungeminderten Interesse an diesem Gewächs gibt es immer wieder neue Empfehlungen für den Einsatz.

 

Schutz der Nervenzellen

Zu den Errungenschaften in der Gegenwart gehört ohne Zweifel eine deutlich größere Lebenserwartung. Krankheiten, die früher das Leben kosteten, sind nahezu ausgerottet. An ihre Stelle treten neue, die das hohe Alter begleiten. Zu ihnen gehört die Demenz als eine Erkrankung, die Gedächtnisverlust und Störung geistiger Leistungen bedeutet. Etwa 1,3 Millionen Menschen sind in Deutschland betroffen. Sie haben meist das 65. Lebensjahr überschritten. Der Begriff Demenz (lateinisch: ohne Geist) steht für verschiedene Prozesse, die als Ursache infrage kommen. Am häufigsten verbirgt sich eine Alzheimer Erkrankung dahinter oder eine Durchblutungsstörung im Gehirn. An den schädigenden Prozessen sind Radikale und bestimmte Eiweiße beteiligt. In experimentellen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Ginkgo Extrakt die schädigenden Radikale abfängt sowie die Durchblutung und den Energie Stoffwechsel in den Gehirnzellen fördert. Die Nervenzellen werden besser versorgt. Bei älteren Menschen gehen die Empfangsstellen für die Übertragung (Cholin-Rezeptoren) von Nervensignalen zurück. Damit verlieren sie an Funktionsfähigkeit. Ginkgo Extrakte, im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten, können diese Vorgänge verzögern, die Reizverarbeitung verbessern und auf diese Weise die Gedächtnisleistungen ankurbeln. Ginkgo kann die Demenz nicht aufhalten, aber helfen, zusammen mit anderen Medikamenten und regelmäßigem Gehirntraining das Fortschreiten zu verzögern. Alzheimer- und Demenz-Erkrankte reagieren positiv auf eine gleichzeitige Einnahme von klassischen Medikamenten (beispielsweise Cholin-Esterase Hemmern) und Ginkgo Präparaten.

 

Gleichgewichtsstörungen ausgleichend

Schwindel (medizinisch: Vertigo, lateinisch: vertere, wenden) beschreibt das Gefühl, wenn die Umgebung scheinbar schwankt oder sich dreht und dies zu Übelkeit führt. Bei Gleichgewichtsstörungen, die Schwindelgefühle hervorrufen, können die Ursachen vielfältig sein. Blutdruckschwankungen oder Herzrhythmusstörungen gehören dazu. Sie münden jedoch nahezu alle in eine unzureichende Durchblutung des Gehirns. Hier ist der Ansatzpunkt für eine Medikation mit Ginkgo biloba. Er verbessert die Durchblutung, versorgt die Gehirnzellen besser mit Sauerstoff und schützt sie vor einer Schädigung. Dies wirkt der Gleichgewichtsstörung entgegen.

 

Gegen Ablagerung in größeren Blutgefäßen

Die sogenannte Schaufensterkrankheit lateinisch: Claudicatio intermittens) ist eine Form der Durchblutungsstörung, die die Beine betrifft. Die Patienten sind infolge der starken Schmerzen in den Beinen nach kurzen Gehstrecken gezwungen, anzuhalten, um sich scheinbar Schaufenster anzusehen. Bei dieser peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) zeigen sich Verengungen in körperfernen Arterien, die durch Ablagerungen (Arteriosklerose) zustande kommen. Freie Radikale sind an diesen Prozessen beteiligt. Die Flavonoide im Ginkgo unterdrücken die Bildung dieser schädigenden Stoffe. Die Ablagerungen können bei Einnahme von Ginkgo Extrakten teilweise zurückgehen, wenn die Krankheit noch nicht zu stark fortgeschritten ist. Die Patienten sind bei gleichzeitiger Bewegungstherapie oft in der Lage, wieder längere Strecken schmerzfrei zurückzulegen.

 

Geräuschminderung bei Tinnitus

Permanente Ohrengeräusche machen Patienten, die an einem Tinnitus (Tinnitus aurium, lateinisch, das Klingeln der Ohren) leiden, zu schaffen. Begleitet wird dies durch eine verminderten Blutfluss in den kleinsten Gefäßen im Ohr. Ginkgo Extrakte erhöhen den Blutstrom in diesen Arealen und stabilisieren die Gefäßwände, die damit vor Plaque (Kalkablagerungen) und Sauerstoffradikalen geschützt werden. Bei einer erfolgreichen Anwendung lassen die Geräusche nach.

Unterstützung bei der Abwehr

Aus den Erfahrungen der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Anwendung von Ginkgo bei Infektionserkrankungen wie Tuberkulose oder Gonorrhoe (Tripper, Geschlechtskrankheit)bekannt. Wissenschaftliche Experimente attestieren den Ginkgo-Inhaltsstoffen eine Wirkung auf die weißen Blutzellen, die für die Abwehr verantwortlich ist. Außerdem haben Untersuchungen zeigen können, dass die Ginkgolsäure die hemmenden und abtötenden Effekte, beispielsweise auf den Tuberkulose-Erreger (Mykobakterien) unterstützt. Inzwischen überzeugen moderne Präparate der Schulmedizin mit einer größeren Wirksamkeit und vor allem einer geringeren Gefahr der Gesundheitsschädigung als die Ginkgolsäure. Ginkgo Präparate stellen bei diesen Erkrankungen in der heutigen Zeit nicht die erste Wahl dar.

 

Anwendung gegen Krebs ?

Die Therapie der Krebserkrankungen hat enorme Fortschritte gemacht. Dennoch gibt es einige Tumor-Arten, die noch nicht zufriedenstellend behandelt werden können. Deshalb verwundert es nicht, dass eine Pflanze wie der Ginkgo mit seinem ungewöhnlichen und potenten Gemisch an Inhaltsstoffen als mögliches Heilmittel in Betracht gezogen wird. Gegenwärtig gibt es nur experimentelle Befunde, die noch fern einer praktischen Anwendung sind. Die Flavonoide mit ihren anti-oxidativen Eigenschaften kommen als Hemmer des Tumorwachstums in Betracht. Erste Experimente außerhalb des menschlichen Körpers bestätigen diese Effekte, beispielsweise bei Tumorarten, die im Gehirn vorkommen. In klinischen Studien profitieren die Betroffenen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie von den bekannten schützenden Effekten des Ginkgo Extraktes auf das Gehirn. Die Fallzahlen sind jedoch noch nicht ausreichend, um den Erfolg dieser Anwendung zu beweisen.

Diskussionen um die Wirksamkeit

Trotz vieler bestätigter positiver Effekte besteht keine einhellige Meinung zum Nutzen einer Behandlung mit Ginkgo Extrakten. Es gibt Veröffentlichungen, die Behandlungserfolge belegen sollen und Großstudien, die im Resümee eine Wirkung absprechen.

Grundsätzlich tut sich die Schulmedizin zunächst schwer mit alternativen Heilverfahren. Hierzu gehört die Phytotherapie, das heißt, die Pflanzenheilkunde, bei der die ganze Pflanze oder nur Teile von ihr zur Anwendung kommen. Der Weg zur Anerkennung ist weit. Weil es sich dabei um Wirkstoff-Mixturen handelt, sind die Effekte zum Teil nicht zweifelsfrei zuzuordnen. Wenn sich die Einflüsse der Inhaltsstoffe erst nach längerer Einnahme oder besonders in Kombination mit anderen Medikamenten bemerkbar machen, erschwert das zusätzlich die Beurteilung. Positiv ist die Entwicklung bezüglich der Qualität der in den Apotheken erhältlichen Präparate. Die Deklaration unterliegt dem Deutschen Arzneibuch. Auf diese Weise sollte die Wirkung zwischen einzelnen Präparaten mit gleicher Inhaltsangabe vergleichbar sein.

Trotz des immensen medizinischen Fortschritts gibt es heute noch zahlreiche Erkrankungen, die nicht erfolgreich behandelt werden können. Es wächst die Erwartung an die alternativen Heilverfahren und Ginkgo biloba hat ein einzigartiges Wirkspektrum, das bis heute noch nicht komplett aufgeklärt ist.

Die Hoffnungen bezüglich der Demenz-Vorbeugung sind möglicherweise größer als die tatsächliche Wirkung. Gerade bei Erkrankungen ohne zuverlässige schulmedizinische Vorbeugung und Therapie scheint Ginkgo die letzte Alternative zu sein. Widersprüchliche veröffentlichte Ergebnisse resultieren aus den Unterschieden in den eingesetzten Medikamenten, in der Anwendung oder der Anzahl der Untersuchten. Außerdem ist es wichtig, einen vernünftigen und gut dokumentierbaren Parameter zur Beurteilung heranzuziehen. Die Vorstellung, eine Demenzerkrankung lebenslang aufhalten zu können, ist unrealistisch. Wann sollte mit einer Einnahme begonnen werden, damit positive Effekte erzielt, Demenz und Alzheimer Symptome unterdrückt werden oder sich Verbesserungen im Alltag einstellen? Welches der Auswirkungen gilt als positiver Effekt? In einer großen Studie (GuidAge-Studie), die über fünf Jahre angelegt war, wurden 2800 Menschen mit beginnenden Gedächtnisproblemen im höheren Alter beobachtet. Die Hälfte der Probanden erhielt einen standardisierten Ginkgo biloba Extrakt, die anderen nicht. Verglichen wurde die Entwicklung einer Demenz-Erkrankung, die nach Aussage der Autoren weniger rasch bei Ginkgo Einnahme verlief. Kritiker hielten den Wissenschaftlern vor, dass ein Drittel die Studie nicht beendete und die Zahl der tatsächlich Erkrankten in beiden Gruppen deutlich unterhalb der erwarteten Zahl lag. Damit fehlte den Testergebnissen die nötige Beweiskraft. Ein ähnliches Vorgehen wählte die PAQUID Studie (französisch: Personnes Agées Quid, Was ist mit den Älteren). Jedoch nahmen die Beteiligten den Wirkstoff ab dem 65.Lebensjahr, wobei es eine dritte Gruppe gab, der ein synthetisches Medikament zur Beeinflussung der Hirnleistung verschrieben wurde. Inzwischen liegen Ergebnisse aus einem Untersuchungszeitraum von über 20 Jahren vor. Das ist einmalig und sorgt für eine große Aussagekraft. Die Zahl der Demenzerkrankungen insgesamt ist repräsentativ, so dass die Auswertungen statistischen Prüfungen standhalten. Etwa 800 Menschen wurden in die Auswertung einbezogen und Hinweise gefunden, dass sich bei Personen, die Ginkgo nahmen Demenz-Anzeichen langsamer einstellten. Neuere Studien untersuchen den Einfluss von Ginkgo im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten. Erste Resultate sprechen ebenfalls für eine Besserung bei zusätzlicher Gabe von Ginkgo. Aber in der Literatur wird ebenso eine Reihe von Untersuchungen beschrieben, die keine Wirkung zeigten. Eine sehr häufig zitierte Studie wurde in den USA von 2000 bis 2008 durchgeführt. Sechs anerkannte Einrichtungen und 3000 Senioren als Studienteilnehmer waren beteiligt. Sie waren 72 Jahre alt oder älter und zu Beginn geistig gesund oder von geringen Leistungseinschränkungen betroffen. Über etwa 6 Jahre nahmen sie ein Ginkgo Präparat ein, in einer Tagesdosis von 240 Milligramm, die Vergleichsgruppe nahm ein sogenanntes Placebo ein (ohne Wirkstoff). Der Test auf eine vorliegende Demenzerkrankung erfolgte nach einem standardisierten Verfahren. Im Ergebnis wurden keine statistisch verwertbaren Vorteile in der Gruppe, die Ginkgo Extrakte genommen hatte, gefunden. Aber wodurch unterschieden sich die beiden zuletzt erwähnten Studien? In der französischen Untersuchung wurde im Alter von 65 Jahren mit der Behandlung begonnen und 20 Jahre der Verlauf dokumentiert, in der amerikanischen Variante erhielten die Probanden das Medikament sieben Jahr später, also mit 72 Jahren und die Verlaufskontrolle dauerte sechs Jahre. Sind diese Studien vergleichbar? Die exakten Wirkungen von Ginkgo Extrakten sind nicht bekannt, also auch nicht der Zeitpunkt für den optimalen Behandlungsbeginn. Vorbeugung – und das spielt wahrscheinlich eine größere Rolle als die Heilung – muss zu einem Zeitpunkt starten, wo das Gewebe, das Organ, die Zellen noch in der Lage sind, sich anzupassen und zu reagieren. Möglicherweise macht sich der Effekt erst nach mehr als sechs Jahren bemerkbar? Abschließend sei angemerkt, dass es in der wissenschaftlichen Literatur unzählige Studien gibt, von denen ein nicht unbeträchtlicher Anteil Mängel aufweist und inzwischen nicht mehr für Bewertungen herangezogen wird.

Um die Ergebnisse verschiedener Studien vergleichen zu können, muss man sich die Zahl der Teilnehmer ansehen (groß genug?), den Beginn (früh genug?) und den Zeitraum (wie viel Jahre beobachtet?) sowie die Menge der Einnahme und die Kriterien zur Bewertung der Wirkung.

Ginkgo ist kein Allheilmittel. Es zeigt eine Reihe positiver Effekte und medizinisch relevanter Wirkungen. Es kann aber keine Wunder vollbringen. Die Weltorganisation für biologische Psychiatrie (World Federation of Societies of Biologica Pychiatry; WFSBP) hat Ginkgo Extrakte in die Empfehlungen für die Demenz-Behandlung aufgenommen. Das Präparat EGb 761 als Ginkgo biloba Extrakt wird als einziges bei einer täglichen 240 Milligramm Dosierung in der Demenz-Therapie von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstattet. Maßgeblich für diese Bewertung war, dass es einen Nutzen im Sinne von Verbesserungen bei den Aktivitäten des täglichen Lebens gibt.

 

Auf die richtige Anwendung kommt es an

In den ältesten Beschreibungen finden die Samen und die Blätter des Ginkgos Anwendung als Heilmittel. Die für den Ginkgo charakteristischen und in der Pflanzenwelt einmaligen Inhaltsstoffe befinden sich in den Blättern. Jedoch sind nicht ausschließlich wertvolle Substanzen im Ginkgo biloba zu finden, sondern auch schädliche Bestandteile. In Samen und Blättern findet sich die Ginkgolsäure, die für allergische Reaktionen und Schädigungen der Nerven und des Erbgutes verantwortlich sein kann. In den Samen gibt es einen weiteren kritischen Inhaltsstoff: das Methylpyridoxin. Nimmt man von dieser Substanz zu viel auf, riskiert man nachteilige Wirkungen durch die Hemmung des lebenswichtigen B6-Vitamins. Für die Herstellung von Ginkgo Präparaten werden ausschließlich die Blätter eingesetzt. In der Fachsprache heißen sie Ginkgo bilobae folium. Besonders unter dem Aspekt der Wirksamkeit und potentieller Nebenwirkungen muss zwischen Ginkgo Präparaten mit einem standardisierten Blätter-Extrakt und Ginkgo Produkten ohne eindeutige Deklaration wie Ginkgo-Tees oder Blätterpulver unterschieden werden. Die Verträglichkeit und Wirkungen der verschiedenen Produkte können immens voneinander abweichen! Das Deutsche Arzneimittelbuch legt sowohl die Verfahrensweise zur Herstellung als auch die Gehalte an den verschiedenen Komponenten in einem Extrakt fest.

 

Deklarierte Blattextrakte

Um ein standardisiertes Trockenextrakt zu erhalten, sind mehr als 20 Verfahrensschritte notwendig. Zwei auf diese Weise gewonnene und anerkannte Extrakte tragen die Bezeichnung EGb 761 und LI 1370. Diese beiden Formen sind die am häufigsten in pharmakologischen Studien getesteten Extrakte.Diese Ansprüche gelten nicht bei Produkten, die als Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Produkte in Drogerien und Supermärkten erhältlich sind.

Die Extrakte für den medizinischen Gebrauch werden als Dragees, Tropfen, Tees oder homöopathische Arzneimittel eingesetzt. Für die üblichen medizinischen Anwendungen wird eine Tagesdosis von 120 bis 240 Milligramm je nach behandeltem Krankheitsbild in zwei bis drei Einzeldosen empfohlen. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel mehrere Wochen bis Monate, da die Wirkungen nicht früher eintreten. Nach etwa drei Monaten lohnt es, die Therapie zu überprüfen und über die Weiterführung nachzudenken.

 

Ginkgo Produkte: Natur pur

Neben den Angaben zu den Wirkstoffen ist die Deklaration der unerwünschten Bestandteile besonders bei Produkten wichtig, die nicht in den Apotheken erworben werden. Nur bei niedrigen Konzentrationen der schädlichen Komponenten profitiert man von den Vorteilen der Anwendungen. Hier sollte man sehr genau die Inhaltsstoffe studieren. Es gibt eine nicht unbeträchtliche Zahl von Untersuchungen, bei denen die nachteiligen Wirkungen die positiven Effekte überwogen. Grund war ein sehr hoher Gehalt an Ginkgolsäure. Bei Blatt-Tees ist die schädliche Säure hahezu vollständig enthalten. Bio-Tees erhalten ihre Anerkennung durch den Nachweis, keine Pflanzenschutzmittel zu enthalten. Sie enthalten dennoch Ginkgolsäure. Aus den Naturheilverfahren gibt es Rezepte für Tees, denen meist wegen des bitteren Geschmacks Süßendes zugesetzt wird. Für einen Tee verwendet man ein bis zwei Teelöffel Ginkgo Blätter pro Tasse. Nach dem Übergießen mit kochendem Wasser bleibt er zehn Minuten stehen, um zu ziehen.

Die Ginkgo Nüsse, eine Spezialität, die in Asien besonders geschätzt wird, enthalten als Samen des Ginkgo biloba auch Stoffe, die zu Unverträglichkeiten führen können. Als „pa-kewo“ oder „bai-guo“ kann man sie in asiatischen Märkten erwerben. Sie werden zubereitet (gegart oder geröstet) verzehrt. Gelegentliche und maßvolle Kost dieser nahrhaften Delikatesse ist in den meisten Fällen unbedenklich. Verspeist man mehr als zehn Stück am Tag könnte sich dies nachteilig auf den Stoffwechsel, insbesondere des Vitamin B6 auswirken.

Die Naturheilkunde bietet Rezepte an, nach denen Tinkturen hergestellt werden. Die Pflanzenteile müssen etwa drei bis sechs Wochen von Alkohol (Weingeist oder Doppelkorn) bedeckt stehen. Die Inhaltsstoffe werden auf diese Weise durch Alkohol herausgelöst. Die entstandene Flüssigkeit wird in eine dunkle Flasche abgefüllt. Von der Tinktur kommen täglich zehn bis fünfzig Tropfen zur Anwendung, wenn man sie als Tropfen einnimmt. Bedenklich ist, dass auch die unerwünschten Bestandteile heraus gelöst werden. Für die äußerliche Anwendung bei schlecht heilenden Wunden wird ein sauberes Baumwolltuch mit der verdünnten Tinktur getränkt und aufgelegt. Mit Plastikfolie oder einem weiteren Tuch fixiert, kann der Umschlag mehrere Stunden (über Nacht) einwirken. Ginkgo Tinkturen in niedrigen Potenzen (Verdünnungen) werden ebenfalls in der Homöopathie eingesetzt. Über Behandlungsmöglichkeiten und Risiken mit selbst hergestellten Tinkturen sollte man sich beim Arzt oder einem anerkannten Heilpraktiker informieren.

 

Müssen Nebenwirkungen beachtet werden?

Die erfreuliche Nachricht für die Anwender von Ginkgo Präparaten ist, dass sie selbst bei Einnahme über mehrere Jahre hinweg, sehr gut verträglich sind.

Nur selten wird von Magen –und Darm-Beschwerden, allergischen Reaktionen oder Kopfschmerzen berichtet. Vereinzelte Blutungen während der Langzeitbehandlung konnten nicht zweifelsfrei auf die Medikation mit Ginkgo Präparaten zurückgeführt werden. Dennoch ist angesichts der durchblutungsfördernden Eigenschaften bei der gleichzeitigen Einnahme von Hemmern der Blutgerinnung der Arzt zu befragen. Orale Antikoagulanzien und Thrombozytenfunktionshemmer (Blutplättchen-Hemmer) können möglicherweise interagieren und die Wirkung der Medikamente verändern.

Der Gehalt an Ginkgolsäure in Tees wird in den meisten Fällen nicht angegeben. Wegen der schädigenden Wirkungen und der mangelnden Kontrolle werden die Ginkgo-haltigen Tees als potentiell gesundheitsgefährdend angesehen. Bei regelmäßigem Genuss lohnt es sich, auf die angegebene Menge an Ginkgolsäure zu achten. Für den Verzehr von Ginkgo Samen beziehungsweise Nüssen sollten diese gegart oder geröstet sein. Außerdem sorgt ein maßvoller Verzehr dafür, dass die schädigenden Inhaltsstoffe den Genuss nicht trüben.

Über unerwünschte Reaktionen nach Überdosierungen wurden bisher nicht berichtet. In einem kürzlich veröffentlichten (2013) Tierexperiment wurde eine erhöhte Krebsrate beschrieben. Allerdings war eine Dosis notwendig, die 200 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht entsprechen. Diese Mengen werden beim Menschen unter normalen Bedingungen zweifellos nicht erreicht.

In den zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zur klinischen Nutzung wurden zusätzlich toxikologische Daten erhoben. Die über viele Jahre laufenden Studien haben den Nachweis gebracht, dass der kontrollierte und deklarierte Ginkgo biloba Extrakt sehr gut verträglich und sicher ist.

 

Fazit

Während Blätter-Extrakte des Ginkgos biloba in Asien eine mehr als tausendjährige Tradition haben, sind sie im deutschen Sprachraum erst seit etwa 1960 für die Therapie verschiedener Erkrankungen von Interesse. Die meisten von ihnen profitieren von den durchblutungsfördernden Eigenschaften eines inzwischen standardisierten Extrakts. Dieser enthält die für den Ginkgo charakteristischen und einmaligen Stoffe Ginkgolide und das Bilobalid in bestimmten Konzentrationen, während die Mengen an schädliche Komponenten so weit wie möglich reduziert wurden. Zwei Spezialextrakte, deren Effekte in zahlreichen Veröffentlichungen belegt sind, heißen EGb 761 und LI1 370. Sie werden auf den Tabletten und Tropfen genauso ausgewiesen und garantieren ein kontrolliertes Produkt definierter Zusammensetzung entsprechend den Richtlinien des deutschen Arzneimittelbuches. In Anwesenheit der Inhaltsstoffe wird die Durchblutung gesteigert, schädigende Radikale zerstört und Gehirnzellen bei Sauerstoffmangel geschützt. Viele Wirkungen konnten in der Therapie verschiedener Beschwerden und Erkrankungen belegt werden, wenngleich es eine nicht unbeträchtliche Anzahl klinischer Studien mit widersprüchlichen Resultaten gibt. Am häufigsten sind die Ergebnisse nicht vergleichbar, weil die untersuchten Gruppen zu wenige Personen aufwiesen, der Beobachtungszeitraum nicht optimal gewählt wurde oder die Kriterien für die Wirkung nicht angemessen waren. Ginkgo wirkt nicht sofort, sondern erst nach Wochen. Vorbeugende Effekte sind schwer zu belegen. Angesichts der geringen Nebenwirkungen und der inzwischen standardisierten Herstellung hochwertiger Präparate gibt es wenige Argumente, die gegen eine langfristige Einnahme sprechen. Unabhängige Sachverständige, die in Kommissionen sitzen, die die Einsatzgebiete für pflanzliche Arzneimittel bewerten, empfehlen die medizinische Anwendung des Ginkgo Blätter Extraktes. Anerkannt ist die Behandlung bei Störungen der Gedächtnisleistungen, bei arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen, bei Schwindelgefühlen unterschiedlicher Ursachen und bei Ohrengeräuschen (Tinnitus). Im Gespräch mit dem behandelnden Arzt lassen sich die geeignete Dosis und der meist über Wochen dauernde Zeitraum abstimmen.

Der Ginkgo biloba hat sich erfolgreich gegen Naturkatastrophen und widrige Umwelt-Einflüsse zur Wehr gesetzt und in der chinesischen Heilkunst seine Daseinsberechtigung vielfach bewiesen. Auch das sind überzeugende Referenzen für eine Heilpflanze.